Als Geisterschiff ist die Titanic immer noch unterwegs.

-H. M. Enzensberger

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Persönliche Eindrücke

»Der Untergang der Titanic« fand ich wunderschön zu lesen. Eine andere Sache ist, wie kompliziert das Gedicht ist. Es ist irgendwie verwirrend. Ich verstehe die einzelnen Gesänge, aber wie sie zusammen passen sollen, wurde mir erst bei der Videokonferenz klar. Herr Enzensberger hat gemeint, daß das Gedicht wie ein Kuchen gebaut ist. Eine Schicht handelt von dem Passigierschiff. Andere Schichten über Cuba, über die U.S.A., über Deutschland, über Sozialismus, über den verlorenen Text... Es gibt viele verschiedene Perspektiven und sie sind alle ein bißchen verwirrend beim Lesen. Enzensberger hat das auch mal gesagt. Wie eine Zeitung ist das Gedicht von der »Titanic« nicht, und viele finden das Gedicht pessimistisch. Auf jeden Fall ist es egal, wie man »Titanic« liest, weil “A good poem should be accessible to everybody.”

Ich habe die »Komödie« als eine Geschichte über die ehemalige DDR verstanden. Als ich den Text las, sah ich in meinem Kopf wie das Leben in Ost-Deutschland wahrscheinlich gewesen war. Die Leute haben immer ums Überleben kämpfen müssen. -- Nicht um das körperliche Überleben, sondern um das emotionelle und geistige Leben. Sie hatten nur geringe Chance rauszukommen, d.h. das Land zu verlassen, und sie sind nach Westdeutschland gekommen wie die Chinesen, die sich in den Rettungsbooten versteckt hatten, in Kofferräumen der Autos. Die Passagiere der ersten Klasse waren die, die Deutschland beherrschten. Sie hatten immer das Beste. Im Gegensatz dazu hatten die Passagiere der dritten Klasse fast nichts. Sie hetten nur das Leben und ihre Familie und nur eine geringe Chance, sich selbst zu retten. Als das Schiff, oder in diesem Fall die Mauer, unterging, bzw. geöffnet wurde, haben die Passagiere der ersten Klasse fast nichts verloren, das Volk aber hat um sein Leben kämpfen müssen: um das Leben, Essen, Arbeit, Geld, Sicherheit... Das ist mein Stück des Kuchens.

Wie ich das Gedicht interpretiert habe, ist es richtig für mich. Enzensberger hat das Gedicht »Der Untergang der Titanic« auf englisch und auf deutsch geschrieben. Natürlich sind die Texte nicht vollkommen identisch, weil man nicht alles in beiden Sprachen auf die gleiche Weise ausdrücken kann. Eine Übersetzung ändert den Text. In diesem Fall hat Enzensberger seinen eigenen Text übersetzt, und obwohl sie nicht gleich sind, gehören sie ihm.

Jedes Mal, wenn der Text gelesen oder als Theaterstück aufgeführt wird, wird die »Titanic« eine neue Geschichte. Auch heute fasziniert das Schiff viele. Aber warum? Fast achtzig Jahre sind vorbei, und wir alle möchten wissen, was genau passiert ist. Es gibt einen neuen Film, neue Bücher... Die »Titanic« kann eine Metapher für das Leben sein, und deswegen ist sie als Geisterschiff noch unterwegs. Ich denke, daß Enzensberger Komödie ironisch gemeint ist. 1,500 tote Passagiere ist nichts Lustiges.

Zum Schluß möchte ich ein bißchen über Enzensberger sprechen. Ich finde ihn ganz lieb, wie einen Opa. Er kann unsere Fragen beantworten und gleichzeitig viel mehr sagen. Wir sollen Texte interpretieren, wie wir die Texte sehen, und ich finde so eine Meinung sehr wichtig. Für sich selbst zu denken muß man lernen, und was jemand uns sagt, sollen wir nicht als wahr unbesehen übernehmen. Er meint auch, daß wir keine Angst vor einer Fremdsprache haben sollen. Wir werden Fehler machen, aber so können wir unsre Deutsch verbessern.

Enzensberger Titanic