Authentisch

Rund 70 schwarzweiße Sprachpolaroids konzentriert die Bonner Schriftstellerin Gisela Hemau in ihrem auralastigen Gedichtband „Abschüssiges Gelände“. Ohne Beschönigung des Sujets sind da die streng komponierten Momentaufnahmen von Cocteau und Stifter, Macke oder Schumann. Ergänzend die Titel drei weiterer Poeme genannt: „Das Wasserschleppbein“, „Bahndamm“, „Still stehen sie erstarrt“. Als Leseprobe „Naked City (Weegee)“: Die Gehsteige sind / auch hier nicht / für solche / die sich aus dem Fenster stürzen / gemacht / Doch sie liegen da / ganz gelassen / nur der Rock ist verrutscht / und bei manchen / fehlt der Schuh.“ Kaum möglich, authentischer die Fotodokumente verwünschter Großstadtkatastrophen des amerikanischen Realochronisten (1899-1968) zu transportieren. Hemaus Lyrik grundsätzlich ein Kontext zu Weegees Bildern.

Gisela Hemau: Abschüssiges Gelände.
Verlag Königshausen & Neumann,
Würzburg 2001.
84 Seiten. 18.-- DM

J.A. [Jochen Arlt]. neues rheinland. Jg. 44. Nr. 8 v. August 2001.