Abschüssiges Gelände
Gedichte
Von Gisela Hemau
Verlag Königshausen u. Neumann, Würzburg 1995.
84 S., DM 18.--

"Das Haus entfernt sich - es läßt mich zurück - ein Kind bleibt übrig - dem ich zusehe - wie es sich verliert - zwischen den Hügeln"

Bewegungen, die ineinander übergehen, Bilder, die entgleiten - davon handeln die Verse in diesem schmalen Gedichtband, sprachlich so sparsam, so knapp gesetzt, wie wir moderne Lyrik seit R. Kunze u.a. kennen. Dabei gelingen treffende, betroffen machende Bilder von Vergänglichkeit und Vergeblichkeit, von Mensch und Natur. Der Leser muß auch gefaßt sein auf Melancholisches, auch in guten Versen zu Kunstwerken, zu Mona Lisa oder zu einem Bild von Cézanne. Nicht alle, aber viele Gedichte lesen sich wie eine kurze Philosophie des Seins, nach der altgriechischen Weisheit: Alles fließt.

Fortgeflogen. "Vogelspuren - die die Hand - in den Sand zeichnet - holen Vögel - die schon fort sind - zurück - machen Vögel - die es nicht gibt - wirklich"

Kindertränen. "Er will mir wegnehmen - das Liebste - das ich habe - sich - jetzt ist er mein Freund."

(Andreas Mehringer. Unsere Jugend. Heft 5 v. 1996.)