1902


Tätigkeit as Herausgeber

Gleich am Anfang des Jahres war Leppin als Herausgeber tätig: Die Kralle, eine Schrift anläßlich eines der vielen Künstlerfeste. Leppin schrieb darüber viel später („Altprager Künstlerfeste“, 1918):

Vor mir liegt ein buntes Heft, auf steifem Bütten abgezogen, mit Reimen und Prosa Jungprager Namen. Gustav Meyrink ist mit dabei, Oskar Wiener u.a. Die Titelzeichnung stammt von Hugo Steiner-Prag. Es ist „Die Kralle“, ein Höllenadagio, für das Künstlerfest „In der Hölle“ am 16. Jänner des Jahres 1902 im Verein der deutschen bildenden Künstler in Böhmen gedruckt. Dort sind die schönen Verse von Camill Hoffmann zu lesen:

Es ist mein Herz von Liebe schwer
Wie von Blüten der Apfelbaum.

Und es will mir scheinen, daß dieses Adagio der Finsternis zu Ehren des Satans kein Dokument schreckhafter Dinge, daß es vielmahr das Brevier einer ausschweifenden, in Musikalität verzitternden Melancholie gewesen ist, einer goldenen Romantik, die in der damaligen Zeit auch die Räusche der Freude heimlich verzückte.

Wohl ist mein Herz noch sehnsuchtsvoll,
So ist der Liebe Art,
Das macht es gut und ohne Groll
Wie die Amsel, die singend überquoll
Und selbst ein Mailied ward.


Von Leppin sebst enthielt Die Kralle zwei Gedichte , die beide auch in seine erste Gedichtsammlung Glocken, die im Dunkeln rufen aufgeommen wurden: Gebet an's Leben (Du hohes Leben, höre) und Mein Märchen (Wie hiess das Märchen nur, das ich einmal gelesen).

{Illustration zu Altprager Künstlerfeste}


Lyrik

Im Januar veröffentlichte Leppin auch ein weiteres Gedicht - „Ein Lied aus einem jungen Jahr“ (Ich bin einverliebter Pilger) -- in Deutsche Arbeit (Jg. 1. Nr. 4, S. 323), das wie die meisten frühen Gedichte dann in den Glocken, die im Dunkeln rufen aufgenommen wurde.

Von K.H. Strobl erschien im April Die Vaclavbude. Ein Prager Studentenroman (Born et al., 2000, S. 15), den Leppin1904 besprechen sollte.

Im Juni erschien von Friedrich Adler: Don Gil. Komödie in 3 Akten nach den Motiven des Tirso de Molina (Born et al, 2000, S. 15).

Von Leppin konnte man später im Sommer in der Deutschen Arbeit zwei neue Gedichte lesen: 'Ballade' (Ich weiß einen König im Reiche) und 'Erwartung' (Die allertiefsten Nächte). Beide dann auch in Glocken, die im Dunkeln rufen. Die bisher erwähnten Gedichte geben aber nur ein unvollständiges Bild von dem jungen Leppin, der wohl am treffendsten von Max Brod in seinen Erinnerungsbänden charakterisiert wurde. Dort findet sich auch 'Frühlingslied' (Ach, das Schweifefleich wird teuer), das in der WA 1, S. 9 abgedruckt wurde, und die folgenden Verse:

Ein Aktmodell ...

Max Brod. Der Prager Kreis. Stuttgart, Berlin, Köln, Mainz: W. Kohlhammer, 1966, S. 75.

Ein Aktmodell hat einst versucht,
Ihm heißzumachen ganz verflucht.
Sie koste ihn, sie küßte ihn. -
Am nächsten Tag fuhr er nach Wien.

Traditioneller war das Gedicht in Die Zukunft. Jg. 11. Nr. 43, S. 391-392, wieder aufgenommen in Glocken, die im Dunkeln rufen: 'Feier' (Im Garten meiner Seele).

Am 15. Juli 1902 trat Paul Leppin an Richard Dehmel, den „hochverehrte[n] Meister“, mit der Bitte heran, ihm bei der Veröffentlichung von dreißig Gedichten in Buchform behilflich zu sein. Er hoffte, dass Richard Dehmel die Gedichte bei seinem Verlag Schuster und Löffler in Berlin, empfehlen werde, dem Leppin sein Manuskript geschickt hatte. Dehmel antwortete sofort auf Leppins Brief und fügte den Leppinschen Gedichten Randbemerkungen und Korrekturen bei und sandte ihm das gewünschte Empfehlungsschreiben. Auch der Verlag hatte schnell reagiert, und zur selben Zeit mit Dehmels positiver Antwort hielt Leppin sein ungeöffnetes Manuskript von Schuster und Löffler wieder in Händen, wie er Dehmel in einem Brief vom 18. Juli berichtete. Seine erneute Anfrage, diesmal mit Dehmels Empfehlung verlief - scheinbar ohne oder nur nach flüchtiger Prüfung der Gedichte - ebenfalls ergebnislos; am 24. 7. 1902 erhielt er die endgültige Absage. Dehmel war jedoch weiterhin hilfreich und gab Leppin auf seine Anfrage eine zweite Empfehlung, diesmal für den Kölner Verlag Schafstein u. Co., der in seiner 'Neudeutsche Kinderkunst'-Abteilung Fitzebutze von Paula und Richard Dehmel herausgab. Leppin nahm an, dass Schafstein nicht so überlaufen sei wie Schuster und Löffler und deshalb seinem Buche mehr Interesse entgegenbringen würde.

Im September erschien von Auguste Hauschner das Novellenbuch Daatjes Hochzeit. Camill Hoffmann folgte im Oktober mit seinem Gedichtband Adagio stiller Abende, das Leppin im Folgejahr besprach.


Korrespondenz

Am 16. November 1902 fragte Paul Leppin bei Dehmel an, ob er ihm seinen Gedichtband Glocken, die im Dunkeln rufen, widmen dürfe.

Das Jahr endete mit zwei Büchern von Hugo Salus, eins war Novellen des Lyrikers, das Leppin besprechen sollte.