1903

Poeta Christianissimus

1903 war ein wichtiges Jahr für die Prager Bohemiens. Neben Rilkes Gedichtbuch Das Buch der Bilder (siehe Leppins Besprechung), erschienen Paul Leppins erstes Gedichtbuch Glocken, die im Dunkeln rufen sowie Victor Hadwigers Gedichtbuch Ich bin. Auch Gustav Meyrink stellte sich als Literat vor mit seinem Erstlingswerk Der heiße Soldat und andere Geschichten (siehe Leppins Besprechung). Die Veröffentlichungen umfassten ein weites literarisches Spektrum: Hadwiger, ein Vorläufer des Expressionismus, Leppin, ein „Poeta Christianissimus“, wie Max Brod ihn bezeichnete.

Lyrik

Paul Leppin begann 1903 mit der Veröffentlichung von „Drei Lieder“ in Deutsche Arbeit. Jg. 2. Nr. 5, S. 415. I: Mädel mit den weichen Wangen; II: Ich kenne ein Herz aus klingendem Stein; III: Zu wem meine Sehnsucht fragt und irrt, ich weiss es ganz genau. Alle drei sind auch in dem Lyrikband Glocken, die im Dunkeln rufen enthalten. Mit Richard Dehmels Unterstützung hatte der Kölner Verlag Schafstein & Co. die Gedichte Leppins in ihr Programm aufgenommen. Der Band erschien im Mai 1903 mit dem Buchschmuck von Hugo Steiner-Prag, der seinen Teil kostenlos aus Gefälligkeit für seinen Freund Paul Leppin beisteuerte, und der Widmung „Richard Dehmel zu eigen“, der dazu Leppin sein Einverständnis erklärt hatte. Allerdings belief sich die Auflage auf nur 500 Exemplare (siehe Vetrag mit Schafstein u. Co. in Leppins Nachlass). Eine weitere Auflage erscheint nicht erfolgt zu sein.

Victor Hadwiger las am 7. April im Deutschen Haus aus eigenen Dichtungen.

Korrespondenz

Am 18. Mai 1903 schickte Paul Leppin einen Dankesbrief an Richard Dehmel, für dessen Hilfe bei der Veröffentlichung von Glocken, die im Dunkeln rufen. Am 15. Juni folgte an Dehmel eine Übersetzung einer Besprechung der Glocken, die in der moderní revue erschienen war.


Am 28. Juni sprach Ferdinand J. Schneider in der „Lese- und Redehalle der deutschen Studenten“ über Victor Hadwiger.