Nächte mit Moissi.

In: Deutsche Zeitung Bohemia CVIII.71 (24. März 1935): 5. – [Neuabdruck von „Der junge Moissi" anläßlich seines Todes am 23. März 1935 mit 55 Jahren, er war am 2. April 1879 geboren.]

[Nach dem Wiederabdruck steht folgende Notiz der Redaktion:]

Moissi starb als Italiener.

Fast gleichzeitg mit der Wiener Meldung von dem Tod des großen deutschen Schauspielers Alexander Moissi erhielt die Stadt Triest die Nachricht, daß auf Wunsch des Ministerpräsidenten Mussolini Moissi die italienische Staatsbürgerschaft zuerkannt worden sei. Moissi hatte in den letzten zwei Jahren in Italien, wo er italienisch spielte, große Erfolge; er wollte daher die italienische Staatsbürgerschaft erwerben.

In dem Moissi-Nekrolog, der gestern erschienen ist, sind einige sinnstörende Druckfehler zu korrigieren. Nicht mit blühenden, sondern mit blutenden Augen stand Moissi-Oedipus geblendet auf der Bühne. Wenn er im „Lebenden Leichnam" zur Schnapsflasche griff und seine schaurigen Possen trieb, schlugen die Herzen im Publikum so bang, als ob ein Mensch, der allen teuer war, zugrunde ginge. (Der Setzer machte aus bang: lang.) In der „Wildente" setzte der kindisch gewordene Greis – nicht, wie zu lesen war: Kreis – „forsch" und gebrechlich durch das Atelier.

L.W.