Libretto-Druckvorlage (Anfang S. 3):

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Bei der Entstehung dieses Typoskripts (Stadium 28) spielte das Handexemplar von Strauss (Stadium 7) zweimal eine wichtige Rolle als Vorlage:

(1) Zuerst war das Handexemplar von Strauss mit allen dort enthaltenen handschriftlichen Ergänzungen und Korrekturen Vorlage für die Typierung einer Libretto-Druckvorlage, d.h., die handschriftlichen Einträge von Hofmannsthal (Stadium 10) und Strauss (Stadium 11), die das Handexemplar enthielt, gingen in die Grundschicht des neuen Typoskripts ein. Im folgenden Beispiel ist es der Strauss'sche Hinweis auf das morgendliche Vogelgezwitscher: »Durch das halbgeöffnete Fenster strömt die helle Morgensonne herein. Man hört im Garten Vöglein singen.«

(2) Zum andern wurde das Handexemplar von Strauss erneut Vorlage für die Herstellung des Libretto-Drucks, nämlich nachdem es dem endgültigen Text der handschriftlichen Partitur von Strauss (Stadium 43) angeglichen worden war (Stadium 44). In beiden Typoskripten, dem Handexemplar von Strauss (Stadium 7 mit den Stadien 10 ud 11) und der daraus bereits entstandenen Libretto-Druckvorlage (Stadium 28) finden sich deshalb Korrekturen mit roter Tinte durch einen Redakteur. In dem Handexemplar von Strauss erfolgten sie wohl Ende 1909 (Stadium 44), in der Libretto-Druckvorlage wohl Mitte Juli 1910 (Stadium 70). Dabei wurden etwas später – Ende August 1910 – die Eintragungen aus Stadium 70 durch die redaktionelle Schlusskorrektur der Libretto-Druckvorlage für Akt 1 und 2 dann nochmals »überholt« (Stadium 77).

Vorlage für die Libretto-Druckvorlage: das Handexemplar von Richard Strauss (Stadium 7 mit den verschiedenen Einträgen: Stadium 10 und 11 und 44):

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Die Kritische Ausgabe bietet die Genese in der synoptischen Darstellung:

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Die verschiedenen Siglen in der synoptischen Darstellung weisen hin auf:

5: den Wortlaut der Reinschrift der ersten Szene, die auf Strauss' Drängen hin vorab nach Garmisch geschickt worden war;

7: die Grundschicht des Typoskripts, das an Strauss als Handexemplar gegangen war;

11: den handschriftlichen Eintrag von Strauss in seinem Handexemplar;

43: die handschriftliche Partitur von Strauss, der an dieser Stelle eine Regieanweisung nachgetragen hatte, was allerdings hier vom Redakteur, der die Libretto-Druckvorlage vorbereitete, in Stadium 44 nicht übernommen wurde, sodass hinter der Stadienzahl eine Leerstelle erscheint. Wäre der Redakteur an dieser Stelle der Partitur gefolgt, würde die Darstellung mit Stadium 43 enden, denn die jeweils letzte Ziffer bei der Darstellung von Varianz verweist auf das gedruckte Libretto;

77: die kurz vor Drucklegung vorgenommene redaktionelle Schlusskorrektur der Libretto-Druckvorlage, die teilweise auch Bedenken der Zensur aufgriff, wie hier an der Veränderung von »Bett« zu »Sofa« besonders gut erkennbar ist.

Die unterstrichenen Stadienzahlen signalisieren, was später in die gedruckte Hofmannsthalsche Buchfassung (Stadium 85) einging.

Weitere im vorliegenden Beispiel nicht erwähnte Stadien, die aber auch Teil der Genese der Libretto-Druckvorlage des ersten Aktes sind:

45: vier einseitig typierte Blätter mit Änderungen und Umstellungen von Strauss, wie sie in der handschriftlichen Partitur enthalten sind. Beschreibung dieser Seiten in Hofmannsthal. Sämtliche Werke. Bd. 23, S. 137, Z. 7-21. Die typierten Blätter sind im Zusammenhang mit der Arbeit des Redakteurs zu sehen, der das Typoskript der handschriftlichen Partitur anglich. Die Kritische Ausgabe gibt also nicht nur den Text wieder, der auf diesen Seiten steht, sondern zeigt auch, woher dieser Text stammt. Man braucht nur ab S.231, Z. 9 dem Halbfettdruck zu folgen, falls nicht die Sigle 45 explizit angeführt ist.

46: Einträge von Hofmannsthal mit Stift und schwarzer Tinte.

71: Eintragungen von Strauss im Personenverzeichnis der Libretto-Druckvorlage.

72: Eintragungen von Hofmannsthal in der Libretto-Druckvorlage mit Stift.

73: Eintragungen von Hofmannsthal in der Libretto-Druckvorlage mit schwarzer Tinte.

76: Eintragungen von Strauss an verschiedenen Stellen der Libretto-Druckvorlage.